Du nutzt ChatGPT für Kundenmails, Copilot für Protokolle oder einen Chatbot auf deiner Website. Und irgendwo hast du gelesen, dass seit August neue Regeln gelten. Die erste Reaktion ist oft: Betrifft mich das überhaupt? Und wenn ja, was muss ich jetzt tun?
Die kurze Antwort: Ja, es betrifft dich. Aber weniger dramatisch, als manche Schlagzeile klingt.
Der AI Act regelt KI nach Risiko
Der EU AI Act, auf Deutsch KI-Verordnung, ist das europäische Gesetz für künstliche Intelligenz. Er funktioniert ähnlich wie ein Bauordnungsamt: Ein Gartenhaus braucht weniger Auflagen als ein Hochhaus.
Für KI heißt das: Je höher das Risiko einer Anwendung, desto strenger die Regeln. Ganz oben stehen sogenannte Hochrisiko-Systeme, etwa in sensiblen Bereichen, in denen KI über Menschen entscheidet.
Die Fristen für Hochrisiko-Systeme wurden auf 2027 und 2028 verschoben. Und die gute Nachricht: Die typische Nutzung im Maklerbüro, also Texte schreiben, Gespräche protokollieren, recherchieren, ist in aller Regel kein Hochrisiko.
Für dich zählen vor allem zwei Themen: KI-Kompetenz und Transparenz.
KI-Kompetenz: fördern statt sicherstellen
Artikel 4 des AI Act verlangt, dass Unternehmen sich um die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden kümmern. Ursprünglich hieß es, sie müssten diese Kompetenz „sicherstellen“. Durch den sogenannten KI-Omnibus, die Verordnung (EU) 2026/1744, die seit Ende Juli 2026 gilt, wurde das abgeschwächt. Jetzt müssen Unternehmen die KI-Kompetenz „fördern“.
Das klingt nach einem kleinen Wortunterschied. Ist es auch. Aber er nimmt Druck raus.
Wichtig: Die Pflicht ist nicht weg. Wer KI im Büro einsetzt, sollte dafür sorgen, dass alle Beteiligten wissen, was sie da tun. Wo die Grenzen liegen. Und wann ein Ergebnis noch einmal geprüft werden muss.
Das ist ohnehin sinnvoll. Laut AfW-Vermittlerbarometer nutzt inzwischen die Hälfte der Vermittler KI beruflich. Gleichzeitig nennen dort 69 Prozent Fehleranfälligkeit als größte Sorge. Kompetenz ist also nicht nur Pflicht, sondern Selbstschutz.
Transparenz: Ein Chatbot muss sich zu erkennen geben
Seit dem 2. August 2026 gelten zentrale Transparenzpflichten aus Artikel 50. Der wichtigste Punkt für Makler: Wer direkt mit einem KI-System interagiert, muss erkennen können, dass er mit einer KI spricht.
Das betrifft zum Beispiel:
- einen Chatbot auf deiner Website
- einen Voicebot an deiner Telefonhotline
- einen KI-Assistenten, der in deinem Namen auf Kundenanfragen antwortet
Ein Hinweis wie „Hier antwortet unser KI-Assistent“ reicht in vielen Fällen schon. Wichtig ist, dass er gut sichtbar ist und nicht im Kleingedruckten verschwindet.
Für Inhalte und Systeme, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, gibt es eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Wenn dein Chatbot also schon länger läuft, hast du noch etwas Zeit. Nutze sie.
Deepfakes und KI-Texte
Deepfakes, also KI-erzeugte oder manipulierte Bilder, Videos oder Stimmen, die echt wirken, müssen offengelegt werden. Für Makler ist das selten ein Thema. Relevant wird es, wenn du etwa ein KI-generiertes Video mit einem digitalen Avatar von dir für Social Media nutzt. Daneben gibt es eine Kennzeichnungspflicht für bestimmte KI-generierte Texte. Was das für deine Website und deinen Blog konkret heißt, haben wir in einem eigenen Artikel zu KI-Texten auf der Website ausführlicher beschrieben.
Deine To-dos fürs Maklerbüro
Du brauchst kein Compliance-Projekt. Ein paar klare Schritte reichen für den Anfang.
- Eine kurze KI-Richtlinie schreiben: Eine Seite genügt. Welche Tools sind erlaubt? Wofür dürfen sie genutzt werden? Was darf nicht hinein? Wer prüft Ergebnisse, bevor sie rausgehen?
- Eine Tool-Liste anlegen: Notiere, welche KI-Tools im Büro im Einsatz sind. Auch die, die „nur mal so“ genutzt werden. Du kannst nur regeln, was du kennst.
- Eine kurze Schulung machen: Kein Seminar über drei Tage. Eine Stunde im Team reicht oft: Wie funktionieren Sprachmodelle? Warum erfinden sie manchmal Fakten? Wie prüft man Ergebnisse? Halte kurz fest, dass die Schulung stattgefunden hat.
- Den Chatbot kennzeichnen: Wenn du einen Chatbot oder Voicebot nutzt: Hinweis einbauen. Gut sichtbar, gleich zu Beginn des Gesprächs.
Kurz und knapp
Der EU AI Act ist kein Grund, KI aus dem Büro zu verbannen. Für die meisten Makler bedeutet er vor allem zwei Dinge: Sorge dafür, dass dein Team KI sinnvoll nutzen kann. Und sag offen, wenn eine KI mit deinen Kunden spricht. Das ist machbar. Und es passt zu dem, was Kunden von dir erwarten: Klarheit und Ehrlichkeit.
Bitte beachte: Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wende dich an einen Anwalt oder deinen Datenschutzbeauftragten.



