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Sonnenstrahlen fallen in petrolfarbenes Wasser mit feinen Lichtpartikeln.

Nur jeder Vierte nutzt KI täglich: Wo Makler gerade Zeit liegen lassen

Montagmorgen. Im Postfach warten 40 Mails, auf dem Schreibtisch liegt ein Stapel Unterlagen für die Beratung am Nachmittag. Und irgendwo dazwischen soll noch der Text für den Newsletter entstehen. Viele Makler kennen diesen Alltag. Und viele haben schon mal ChatGPT ausprobiert. Ein paar Mails, eine Zusammenfassung, dann verlief es sich wieder.

Genau dieses Bild zeigt auch das aktuelle AfW-Vermittlerbarometer.

Was das Vermittlerbarometer zeigt

Für die 18. Ausgabe hat der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung rund 1.000 Vermittler befragt, zwischen Dezember 2025 und Februar 2026. Die Ergebnisse wurden im September 2026 veröffentlicht. Die wichtigste Zahl: 50 Prozent der Vermittler nutzen KI inzwischen beruflich. Im Vorjahr waren es 35 Prozent, 2023 nur 16 Prozent.

Das ist ein deutlicher Sprung. Aber schau genauer hin. Von denen, die KI nutzen, tun das 46 Prozent täglich und 35 Prozent wöchentlich. Rechnet man das auf alle Vermittler um, nutzt nur knapp jeder Vierte KI wirklich jeden Tag.

Die Hälfte hat also angefangen. Im Alltag angekommen ist KI bei deutlich weniger.

Wofür KI heute genutzt wird

Die Einsatzfelder sind ziemlich klar verteilt:

  • Texterstellung: 77 Prozent
  • Informationsbeschaffung: 57 Prozent
  • Ideenfindung: 44 Prozent

Chatbots im Kundendialog setzen dagegen nur 4,5 Prozent ein.

Das ist nachvollziehbar. Texte schreiben ist der naheliegende Einstieg. Man probiert es aus, das Ergebnis ist sofort sichtbar, und man behält die Kontrolle. Gleichzeitig zeigt es, wie viel noch ungenutzt bleibt. Wer KI nur als Textgenerator sieht, nutzt einen Werkzeugkasten, als wäre er ein Hammer.

Die Erwartung ist riesig

93 Prozent der Befragten erwarten von KI eine Zeitersparnis. Kaum eine Technologie startet mit so viel Zuversicht. Zwischen Erwartung und täglicher Nutzung klafft aber eine Lücke. Und die hat Gründe.

Was bremst: Fehler, Datenschutz, Kontrolle

Die Bedenken der Vermittler sind ernst zu nehmen:

  • Fehleranfälligkeit: 69 Prozent
  • Datenschutz: 44 Prozent
  • Kontrollverlust: 34 Prozent

Alle drei Punkte sind berechtigt. KI-Systeme formulieren auch falsche Aussagen sehr überzeugend. Wer Kundendaten in einen kostenlosen Consumer-Account kopiert, hat ein Datenschutzproblem. Und niemand will, dass am Ende eine Maschine entscheidet, was ein Kunde zu hören bekommt.

Aber: Keiner dieser Punkte ist ein Grund, KI gar nicht zu nutzen. Sie sind ein Grund, sie bewusst zu nutzen.

Fehler können abgefangen werden, indem du KI für Entwürfe einsetzt und selbst prüfst. Datenschutz kann gelöst werden, indem du Business-Versionen mit Auftragsverarbeitungsvertrag nutzt und Kundendaten weglässt oder anonymisierst. Und die Kontrolle bleibt bei dir, solange du entscheidest, was hinausgeht.

Das sieht auch der AfW so. Vorstand Frank Rottenbacher bringt es auf den Punkt: KI “ergänzt die Beratung, sie ersetzt sie nicht”.

Wo der eigentliche Hebel liegt

Interessant ist, wo sich die Vermittler Unterstützung wünschen:

  • bei der Tool-Auswahl: 75 Prozent
  • bei der technischen Umsetzung: 61 Prozent
  • bei rechtlichen Anforderungen: 56 Prozent

Das Problem ist also selten der Wille. Es ist die Frage, wo man anfängt und wie man es sauber macht.

Das Potenzial liegt vor allem in wiederkehrenden Aufgaben. Gesprächsnotizen aufbereiten, Unterlagen vorbereiten, Standardmails vorformulieren, Inhalte für Website und Social Media entwickeln. Dinge, die jede Woche Stunden kosten und wenig mit der eigentlichen Beratung zu tun haben.

Wir erleben das selbst. Bei Oyster Agency bauen wir ein Team aus KI-Agenten auf, angefangen bei SEO-Texten, einer eigenen Prüfinstanz sowie Social Media und Newsletter. Nicht, um Menschen zu ersetzen. Sondern damit mehr Zeit für die Arbeit bleibt, die wirklich Kopf braucht.

Einstieg ohne Überforderung

Du musst nicht alles auf einmal machen. Im Gegenteil.

Ein guter Einstieg sieht so aus:

  • Such dir eine einzige Aufgabe aus, die dich jede Woche nervt.
  • Teste dafür ein KI-Tool in einer Business-Version, nicht im privaten Gratis-Account.
  • Arbeite ohne echte Kundendaten oder anonymisiere sie konsequent.
  • Prüf jedes Ergebnis, bevor es rausgeht.
  • Nach zwei, drei Wochen entscheidest du, ob es bleibt.

Das ist wie beim Laufen. Wer am ersten Tag einen Marathon plant, hört nach einer Woche auf. Wer mit drei Kilometern anfängt, bleibt dran. Konkrete Ideen für den Start haben wir übrigens in unserem Artikel zu fünf KI-Workflows für Maklerbüros gesammelt.

Und noch ein Punkt: Die EU-KI-Verordnung verpflichtet Unternehmen, sich um die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden zu kümmern. Seit dem sogenannten KI-Omnibus, der seit Ende Juli 2026 gilt, müssen sie diese nicht mehr “sicherstellen”, sondern “fördern”. Die Pflicht wurde abgeschwächt, aber sie ist nicht weg. Ein strukturierter Einstieg im Team ist also auch rechtlich eine gute Idee. Das ist keine Rechtsberatung. Im Zweifel frag deinen Anwalt oder Datenschutzbeauftragten.

Kurz und knapp

KI ist bei Vermittlern angekommen. Aber nur bei einem kleinen Teil wirklich im Alltag. Die Bedenken sind berechtigt, aber lösbar. Wer klein anfängt, sauber mit Daten umgeht und Ergebnisse prüft, holt sich genau die Zeitersparnis, die 93 Prozent der Befragten erwarten. Und die bleibt dann für das, was KI nicht kann: die persönliche Beratung.

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